Kuba – im Wandel zum Materialismus

Kuba – ein Erfahrungsbericht (Dezember 2012)

Kuba

Irgendwie schlummerte in mir eine Erwartung von einem Land, dessen Bewohner und Politiker nach der Prämisse von Gleichheit, Gerechtigkeit und Gemeinsamkeitsdenken leben, mit dem Hauch eines gewissen Antimaterialismus. Ich, bzw. wir wollten das einzige sozialistische Land kennenlernen, dass sich tapfer gegen fremde imperialistische Einmischung wehrte. Der Name Che Guevara schwirrte dabei durch unsere Vorstellungen. Viel hatten wir gehört vom besten Bildungssystem Mittel- und Südamerikas, von der guten Ausbildung der Ärzte, die ein holistisches System propagieren. Allerdings auch von der dürftigen Bezahlung, den Repressalien gegenüber Dissidenten. Dennoch war dies kein Vergleich zu totalitären sozialistischen und unmenschlichen Regimen wie die ehemalige Sowjetunion, China, die ehemalige DDR, Nordkorea, und China. Wir glaubten in Kuba einen menschenwürdigen Sozialismus vorzufinden. Doch seit Beginn der Öffnung zu nicht sozialistischen Ländern hat sich viel geändert.

 

Kuba - Havanna

 

Früher, so berichte uns der freundliche Gastgeber einer casa partikular in Viñales, hätten die Menschen zusammengestanden, sich geholfen, wie eine große Familie. Heute denken viele nur noch an sich selbst, meinte er.
Wir konnten hautnah feststellen, wie der Materialismus und damit der Wunsch zur Bereicherung um sich griff.

An jeder Ecke lauerte Betrug, ob bei der plötzlich überhöhten Kaffeerechnung oder beim versuchten Kauf von Zigarren, wovon wir schnell abließen und uns lieber Zigarren von einem Bekannten besorgen ließen. Überall locken gewiefte jungen Burschen, meist mit Freundin als Paar auftretend, die behaupteten, heute sei ein besonderer Tag, wo die Zigarrenhersteller den Überschuss ihrer Produkte den Angestellten günstig überließen, damit diese die Zigarren auf Eigenregie verkaufen könnten. Doch stellte sich schnell heraus, dass dieser angebliche Überschuss weder kostengünstig noch qualitativ hochwertig ist. Viele Touristen fallen auf den Trick herein, denn sie kennen nicht die Kriterien, nach denen man eine Zigarre beurteilen muss. Ohne sie zu rauchen kontrolliert man nämlich zuerst die Bindung. Liegt das Deckblatt zu locker an und kann man kleine Dellen in die Zigarre drücken, ist das schon mal kein gutes Zeichen. Das Deckblatt sollte ein ebenmäßiges Bild abgeben mit möglichst wenig klar auftretenden Adern. Ein gute Zigarre riecht aromatisch frisch und nicht trocken scharf. Man sollte vor dem Kauf einer ganzen Kiste unbedingt eine Zigarre zur Probe rauchen. Hält sich die Asche lange an der Zigarre ohne abzufallen und brennt sie gleichmäßig ab, also mit schnurgeradem Abbrand, ist das ein gutes Zeichen. Das Zugverhalten darf nicht zu leicht sein, sondern muss einen gewissen Widerstand aufweisen. Wer allerdings mit Gewalt an der Zigarre ziehen muss, dessen Zigarre ist zu fest gewickelt. Natürlich entscheidet letztendlich der Geschmack.
Ach ja, noch ein Hinweis, unter Kennern gilt es als unangenehme Angeberei, wenn man die Banderole beim Rauchen dran lässt.

 

Kuba

 

Aber leider war das nicht alles, was uns an Betrügereien begegnete. Auf Kuba ist es üblich, wenn man mit dem Auto fährt, dass man Anhalter mitnimmt. Daran hielten wir uns und hatten fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Aber leider wird dieses Entgegenkommen von Betrügern missbraucht. So nahmen wir einen jungen Anhalter mit. Keine 100 Meter später zeigte er auf einen anderen jungen Mann, der sein Freund sei und bat uns, diesen auch mitzunehmen. Wir hatten zwar nicht allzu viel Platz, denn wir reisten zu dritt, aber wir wollten höflich sein. Es wäre auch nicht sehr weit, wo sie hin müssten. So fuhren wir eine gewisse Zeit, bis einer der beiden bat, kurz zu halten, denn er müsste schnell Wasser lassen. Wir stoppten, der besagte stieg aus, nach wenigen Minuten wieder ein und weiter ging es. Doch nach einigen Kilometern vor einer Ortschaft meinte der, der sich zuvor seiner Notdurft entledigte, er höre ein leichtes Schlackern hinten an seiner Seite, der rechten. Beim genauen Hinhören vernahmen auch wir dieses verdächtige Geräusch, das auf einen Reifen mit wenig Luft schließen ließ. Jetzt merkte ich auch ein leichtes Schlingern des Wagens, beim scharfen Einschlagen des Lenkrades. Wir stiegen aus und sahen, dass ein Reifen tatsächlich zu wenig Luft hatte. Zum Glücke hatten wir einen Ersatzreifen dabei. Der Reifen war schnell gewechselt, wobei uns dei beiden Fahrgäste halfen. Als wir aber im nächsten Ort ankamen, hörten wir erneut ein Geräusch, diesmal von vorne. Einer der beiden Anhalter meinte sofort, er kenne hier eine Werkstatt, die günstig sei, dort könne man den Reifen flicken lassen, wir hatten ja nun keinen Ersatzreifen mehr. Auf seinen Rat hin lotste uns der ältere der beiden, der zuerst zugestiegen war in die Nähe der Werkstatt, allerdings nicht bis direkt hin. Er meinte, wir sollten den platten Reifen nicht unnötig schädigen, er würde die Reifen zur Werkstatt tragen, was kein Problem sei. Immer noch im Glauben, wir hätten großes Glück gehabt, die ortskundigen Anhalter mitgenommen zu haben, kam mir hier der erste Verdacht, denn die Werkstatt war direkt um die Ecke, wie sich herausstellte, als ich dem Burschen in einem gewissen Abstand nachging.

 


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Auch fiel mir auf, dass er sich sehr intensiv mit dem Monteur unterhielt, der überhaupt nicht erfreut schien. Als beide, der Anhalter und der Garagenbesitzer mit den reparierten Reifen zurückkamen, merkte ich deutlich, dass dem Mechaniker irgendetwas unangenehm war. Als ich mich für einen Moment unbeobachtet mit ihm sah, fragte ich ihn, ob alles seine Richtigkeit gehabt hätte, worauf er aber betreten schwieg. Da wurde mir einiges klar, wir sind in eine Falle getappt. Doch etwas fassungslos zahlte ich 60 Dollar und wir fuhren weiter. Ich konnte den beiden ja nichts beweisen, sie hätten ja auch alles abgestritten. Allerdings ließen wir sie bei unserem nächsten Halt zurück und nahmen sie nicht weiter mit. Man merkte ihnen an, dass sie sich ertappt fühlten. Doch das half weder uns noch ihnen.

Es war eine von den schlechten Erfahrung, die uns das Land etwas vermiesten und dadurch einen negativen Eindruck hinterließen. Hinzu kam die sich überall ausbreitende Kriminalität. Wenn auch keine Schwerkriminalität, aber doch überall Prostitution und Betrug. Erschreckend fanden wir die Altstadt von Havana, die einem Puffviertel glich. Okay, wer die Reeperbahn in St. Pauli liebt, der mag Gefallen daran finden. Unser Ding ist das nicht.

 

Fotos zu Kuba unter https://urlaubszauber.com/587-2/

 


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